Saatgutfestival 2026 – 10 Jahre Saatgutfestival Köln

Eine Kooperationsveranstaltung des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), des Netzwerks Gemeinschaftsgärten Köln, des Ernährungsrats Köln und der Kölner VHS.

Wir bleiben dran!

Was 2016 begann – und direkt mit dem 1. Platz beim Umweltpreis der Stadt Köln ausgezeichnet wurde – feiert 2026 ein beeindruckendes Jubiläum: Zehn Jahre Saatgutfestival Köln.

In diesem Jahrzehnt haben sich die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit spürbar verschärft. Klimawandel, Hitzesommer, Starkregen, verschobene Jahreszeiten und ein fortschreitendes Artensterben stellen uns kontinuierlich vor neue Herausforderungen. Auch politisch wächst der Handlungsbedarf: Deregulierungsbestrebungen in der Gentechnik sowie ein Saatgutrecht, das große Konzerne begünstigt, bedrohen die Vielfalt unserer Kulturpflanzen.

Gerade deshalb ist es heute wichtiger denn je, dranzubleiben. Und genau dazu möchten wir mit dem Saatgutfestival 2026 beitragen.

Vielfalt entdecken, tauschen und erhalten

Das Festival bietet wie jedes Jahr die Möglichkeit, samenfestes Saatgut zu kaufen oder zu tauschen – darunter zahlreiche alte, regionale und seltene Sorten, die sonst kaum erhältlich sind. Gleichzeitig erhalten Besucher*innen praxisnahe Informationen rund um Sortenerhalt, Vermehrung und Aussaat.

Die vielfältigen Stände von Saatgutanbieter*innen, Gemeinschaftsgärten und NGOs laden zum Erfahrungsaustausch ein. Darüber hinaus sorgt ein abwechslungsreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Workshops für neue Perspektiven, Inspiration und konkrete Ansätze für die eigene Gartenpraxis – ob im Kleingarten, auf dem Balkon, im Hinterhof oder im öffentlichen Raum.

Denn eines gilt nach zehn Jahren mehr denn je: Vielfalt braucht Engagement. Auch in Zukunft.

Saatgutfestival

28.02.2026 von 10:00 -17:00 Uhr

VHS-Gebäude am Neumarkt, Cäcilienstr. 35, 50676 Köln

Anmeldung nicht erforderlich, Eintritt 2€

Programm: Flyer Saatgutfestival

Unser Kürbisbeet im Zeitraffer

Wir betreiben eine Fruchtfolge auf unserem Acker. Der Acker ist durch zwei sich in der Mitte kreuzende Wege in Viertel geteilt. Auf einem Viertel wachsen verschiedene Bohnen, dicke Bohnen im Frühjahr, später auch Stangenbohnen, Buschbohnen und Sojabohnen. Auf einem weiteren Viertel wachsen die Kürbisse, auf dem dritten Viertel Süßkartoffeln, Mangold, Kräuter und was sonst noch so anfällt. Auf dem letzten Viertel sind Südfrüchte, wie Zucchini, Physalis, Tomatillos, Auberginen und Freilandgurken. Jedes Jahr wird der Anbau dann im Uhrzeigersinn rotiert, so dass jede Feldfrucht nur alle vier Jahre an derselben Stelle vorbeikommt. Das verhindert, dass der Boden zu einseitig ausgelaugt wird und reduziert Krankheiten.

Unsere Kürbisse werden im April bei verschiedenen Gärtner:innen zu Hause ausgesät und geschützt im Warmen herangezogen. Zur Südfrüchte-ins-Freie-Feier werden sie dann mit den anderen Südfrüchten zusammen ausgepflanzt. Die Erde zwischen den Kürbissen decken wir mit Pappe ab, um Beikräuter und Wasserverdunstung zu unterdrücken.

Danach heißt es dann warten, bei extremer Trockenheit mal zu gießen und die jungen Kürbisse auf ein Brett oder einen flachene Stein zu legen, damit sie nicht faulen, vor allem bei viel Regen.

Anfang August sind die Pflanzen schon ziemlich groß und es sind erste Früchte zu sehen. Bis zur Ernte dauert es aber bis September, und die allerletzten Früchte holen wir dann Ende Oktober, je nach Witterung. Wenn man mit der Ernte wartet, bis die Fruchtansätze verholzt sind, sind Kürbisse auch gut lagerfähig. Nach der Ernte wird das Beet dann abgeräumt und über den winter abgedeckt, bis dann im Frühjahr die Bohnen ausgesät werden.

27.08.25 – Social Day im Vitalisgarten

Diese Woche krempelte unser Kölner Team die Ärmel hoch für einen Community-Tag in der Gartenwerkstatt Ehrenfeld e.V., einem inspirierenden urbanen Gartenprojekt, das sich der Schaffung eines natürlichen Lebensraums für Wildbienen und Insekten mitten in Köln verschrieben hat. Über 80 Wildbienenarten haben dort bereits ein Zuhause gefunden! 
Gemeinsam haben wir:

  • Verschiedene Ecken des Gartens aufgeräumt
  • Wildwuchs zurückgeschnitten und Unkraut (und sogar einige Bäume!) entfernt, um Platz für Wildblumen zu schaffen
  • Einen Baumstamm entlang eines Weges verlegt 
  • Pferdemist transportiert und geschaufelt (ja, der glamouröse Teil der Gartenarbeit)

Trotz der Sommerhitze hatte das Team eine tolle Zeit, Seite an Seite zu arbeiten und ein Projekt zu unterstützen, das einen echten Unterschied für die Tierwelt in unserer Stadt macht. Wir kommen gerne wieder! 
Euer Ogury Team

Wir freuen uns auf jeden Fall auch sehr, dass Ogury dazu den Weg zu uns gefunden hat. Durch die tatkräftige Hilfe konnte sehr viel erledigt werden, was bei uns schon länger auf der To-Do-Liste schlummerte, außerdem schienen alle viel Spaß zu haben. Kommt gerne wieder!

🌿Einladung zur „Südfrüchte-ins-Freie“-Feier im Vitalisgarten🌿

Ein bunter Gartennachmittag mit Jungpflanzen, guter Laune und netten Menschen

Es ist eine lang gelebte Tradition: Jedes Jahr im Mai lädt die Gartenwerkstadt Ehrenfeld e.V. zur großen „Südfrüchte-ins-Freie“-Feier ein – und auch dieses Jahr ist es wieder so weit!

📅 Wann? Am 18. Mai 2025 ab 15:00 Uhr
📍 Wo? Im Vitalisgarten (Vitalisstraße 261, 50829 Köln-Vogelsang)

Was erwartet euch?
Gemeinsam mit vielen anderen Gärtner*innen pflanzen wir unsere liebevoll vorgezogenen Jungpflanzen wie Chilis, Tomaten, Paprika, Auberginen, Süßkartoffeln, Kürbisse und Gurken in die Beete.
Vorerfahrungen braucht ihr keine – alle sind willkommen!

Nach getaner Gartenarbeit lassen wir den Nachmittag entspannt ausklingen:

🥗 Es wird eine Mitbring-Party geben – wir freuen uns über kulinarische Beiträge zum Buffet, aber natürlich ist auch jede*r willkommen, der/die einfach so vorbeikommt.

🎯 Beim Dartspiel könnt ihr euch besser kennenlernen.

🌻 Und wer neugierig auf unseren Garten ist, kann bei einer Führung mehr über den Vitalisgarten und unsere Arbeit erfahren.

Kommt vorbei, macht mit und genießt mit uns einen wunderbaren Tag im Grünen!
Wir freuen uns auf euch! 💚

Euer Team der
Gartenwerkstadt Ehrenfeld e.V.

Infos zur Anfahrt unter:

Kommunikation im Gemeinschaftsgarten

Kommunikation kann ja immer mal etwas schwierig werden. In einem Garten, wie dem unseren, in dem es viele verschiedene Menschen mit vielen verschiedenen Prioritäten, unterschiedlichsten Wissensständen bezüglich gärtnerischer Tätigkeiten sowie der Planung gibt, ist das natürlich besonders ausgeprägt. Dazu kommt dann noch, dass natürlich nicht immer jeder da ist, sondern im Gegenteil häufig eine Person in einer Woche etwas macht und beim nächsten Gartentreff nicht dabei ist, um anderen zu sagen, was sie gemacht hat.

So ist es uns schon passiert, dass etwas angesät wurde, und die Sämlinge zwei Wochen später von eine:r wohlmeinenden Gärtner:in weggejätet wurde, oder dass wir plötzlich doch kein Saatgut dieser einen Pflanze hatten und so weiter.

Über die Jahre haben wir uns deshalb verschiedene Formenn der Kommunikation ausgedacht und umgesetzt, die jedes Jahr ein bisschen besser funktionieren und die nervigsten Malheure verhindern.

Am Anfang steht der Plan. Zu Beginn jeden Jahres überlegt sich die Pflanzgruppe, (bei der jeder mitmachen kann) was wann wo gepflanzt werden soll. Das wird dann – groß und in Farbe – ausgedruckt und dann kann jeder nachschauen und abhaken wenn etwas gemacht wurde. Neulinge werden dabei von der/dem Gastgeber:in unterstützt. (Jede Woche hat eine Gärtner:in als Gasgeberin den Hut auf hilft, alles zu koordinieren.)

Unsere Pinnwand mit dem Plan unten. Rechts ist der Anzuchtkalender und oben die Anzuchtplan

Wenn etwas ausgesät wird, wird es mit einem Schildchen markiert, und die einzelnen Reihen werden noch mit kleinen Stöcken markiert. Später dienen die Schildchen dann dazu, dass jeder weiß, welche Pflanze er oder sie gerade vor sich hat. Die Schilder s ind übrigens aus kaputten Pflanztöpfen und werden jedes Jahr wieder verwendet.

Mangold mit Aussatschild.

Für unsere Südfrüchte-ins-Freie-Feier markieren wir schon vorher, welche kleinen Pflanze wohin soll. Auch das hilft später beim identifizieren der einzelnen Sorten.

Nein, das ist kein Galgen. Das ist unser Tomatendach und die Pflanzen ranken später an den Fäden hoch. Die Sorten sind vorher beschriftet.

Nach dem Säen beziehungsweise Auspflanzen ist das Gießen erstmal sehr wichtig. Dafür hat Karin einmal unsere Gieß-mich-Fahne erfunden. Das ist ein kleiner Stock (meistens von einer Feuerwerksrakete, die liegen Anfang Januar überall in Köln herum) mit einem Stück weißen Stoffs, zum Beispiel von einem alten Bettuch. So markierte Pflanzen sind besonders durstig und dürfen nicht beim Gießen vergessen werden.

Gieß-mich-Fahne

Für die täglich anfallenden Arbeiten gibt es noch eine Magnettafel mit farbigen Schildern. Da stehen erstmal links die Aufgaben in einer Spalte “zu erledigen”. Jeder, der etwas davon erledigen möchte, nimmt ein Schild und schiebt es in die mittlere, “in Arbeit” Spalte. Wenn die Arbeit abgeschlossen ist, oder nicht anfällt, wird das Schild in die rechte Spalte verschoben.

Garten Scrum

Irgendwann wollen wir dann noch Saatgut von den Pflanzen nehmen. Das wird dann auch noch markiert, damit wir im nächsten Jahr wieder von vorne anfangen können. Und damit niemand versentlich zu reife Gurken oder Bohnen aberntet, die dann nicht mehr schmecken.

Natürlich gibt es trotzdem immer wieder Missverständnisse und Unklarheiten und gelegentlich ist jemand auch genervt. Das gehört einfach dazu. Aber hey, dazu können wir ja dann doch noch alle miteinander reden und am Ende klappt doch alles ganz gut.

Habt ihr auch Erfahrung mit Kommunikation in Gruppen? Schreibt uns gerne in den Kommentaren.

Oktober 2024 Reiche Ernte

Der Herbst ist da und liefert uns wunderbare Ernte. Wie die meisten Jahre sind wir von der Fülle beeindruckt, genießen den Herbst mit allen Sinnen und ernten die Früchte unserer Arbeit.

Den Stockschwämmchen hat der Regen nochmal richtig gut getan

Dieses Jahr hatten wir spät noch einige sonnige Tage, aber auch immer wieder Regen. Durch den Regen sind unsere Stockschwämmchen nochmal richtig aus ihren Baumstümpfen geschossen und haben über einen kurzen Zeitraum ständig neue Fruchtkörper geliefert. Aber auch die Chilis reifen gerade richtig schön. Die hatten dieses Jahr einen schweren Start, die Anzucht hat nicht gut geklappt und das Wetter war am Anfang auch nicht so gut, aber der lange Sommer hat dafür gesorgt, dass doch noch viele gereift sind.

Die Bolivian Rainbow-Chilies sehen fast wie Bonbons aus.

2024 war ein gutes Kürbisjahr, davon haben wir auch etliche. Dieses Jahr hatten wir Butternut und Hokkaido. Die kreuzen sich nämlich nicht untereinander, so dass wir die Samen nehmen können ohne nächtes Jahr seltsame Mischungen zu haben. Die Butternut-Kürbisse brauchen noch ein bisschen, die liegen teilweise noch auf dem Acker zum Reifen.

Ein Teil unserer Kürbisernte

Aber es gibt auch noch Salate, andere Chilis, Süßkartoffeln, Physalis (habt ihr schon einmal eine Physalis gegessen, die an der Pflanze in der Sonne reifen durfte? Unvergleichlich!), Topinambur, letzte Bohnen, Paprika (aus dem Gewächshaus), massenweise Mangold und vereinzelte Tomaten.

reiche Ernte

Manches lässt sich gut lagern, Vieles muss schnell gegessen werden, das klappt aber gerade auch ganz gut. Wir teilen am Ende des Gartentags immer die Ernte unter allen Anwesenden auf, und die Kürbisse zum Beispiel werden zum großen Teil eingelagert.

Details

Besuch einer internationalen Sommer school am 15.08.2024

Im Rahmen einer Summer School der Universität zu Köln besuchten zehn indonesische und fünf deutsche Studierende den Vitalisgarten der Gartenwerkstadt Ehrenfeld. Während dieser Summer School, bei der indonesische Studierende aus Jakarta für drei Wochen nach Köln kommen, treffen wir Akteur*innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und der Universität. Unsere Summer School trägt den Titel „Shaping the Future – Sustainability, Cooperation and Culture“. Genau das möchten wir durch das Zusammenbringen junger Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt erreichen: eine aktive Gestaltung der Zukunft, in der Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit im Vordergrund stehen. Wir freuen uns deshalb, dass wir im Vitalisgarten ein ehrenamtlich geführtes Projekt kennenlernen durften, das im städtischen Raum Artenvielfalt fördert und soziale und ökologische Nachhaltigkeit verbindet. Im Folgenden schildert eine indonesische Studentin, Rakai Michelia, ihre Eindrücke des Gartens:

Die Teilnehmer der Sommer School mit Karin und Hildegard von der Gartenwerkstadt

Vitalis Garden focused on planting vegetables and herbs. They were organized by a gardening community with a total of 25 members, led by a board of which Karin is a member. They started the Vitalisgarten 8 years ago.

Vorstellung des Gartens

They showed the whole area of the garden in our tour yesterday. We saw tomatoes, cabbages, lavenders, apple trees, etc. However, the most unique thing about it was the rainbow chili in the veggies section. We never saw purple chilis in Indonesia, so seeing it was surprising and remarkable. When the chili first grows, it will be purple, then it will turn white, then yellow, and then red when it’s perfectly matured. They tasted quite the same as the regular chili in Indonesia, but of course the visual difference makes it a unique experience! They also have a special section to plant flowers for the bees, which could help for the crops to grow better.

We closed the tour by gathering around near the house, where we ate and drank apple juices specially made by the Vitalis Garden. Karin’s husband cooked us an Indonesian meal called Martabak with sambal, but for me it’s more like Bakwan than Martabak. It was a pleasant evening and being welcomed warmly made me feel very comfortable to be there. I love the hospitality and the closure they gave regarding their work in the garden. I wish I can join the community and take care of the garden because gardening isn’t a something common that students in Indonesia would do. Seeing them and getting to know them is a new experience and I enjoyed it so much 🙂

Besuch aus Lima

Am 20. Juni 2024 besuchen wir die Gartenwerkstatt in Ehrenfeld. Zu Besuch sind Yeffel Pedreros und Freyre Pedraza aus der peruanischen Hauptstadt Lima, die bei der Misereor-Partnerorganisation CENCA arbeiten. Außerdem bringen sie sich aktiv bei der Plattform für urbane Landwirtschaft in Lima ein. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Verbesserung der Lebensbedingungen für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der Stadt.

Lima ist mit 10 Millionen Einwohner*innen weltweit die zweitgrößte Stadt, die in der Wüste liegt – und trotzdem haben sie es geschafft unter erschwerten Bedingungen die urbane Landwirtschaft zu verbreiten, die für viele Bewohner*innen einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit und eine ausgewogenere Ernährung leistet. Beim Besuch konnten wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede der urbanen Landwirtschaft in Köln und Lima feststellen. Im Folgenden teilen die beiden Gäste ihre Reflexionen und Eindrücke zur urbanen Landwirtschaft und der Gartenwerkstatt:

Besuch aus Lima in der Gartenwerkstadt

Für die Entstehung vieler Städte auf der ganzen Welt war die urbane Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Die meisten urbanen Zivilisationen entwickelten sich aus Gebieten, in denen Landwirtschaft betrieben werden konnte. Im Laufe der Zeit wurden die landwirtschaftlichen Aktivitäten jedoch gänzlich in das Umland und die ländlichen Gebiete verlegt, während die städtische Entwicklung insbesondere durch große Bauprojekte und eine Landschaft aus Zement und Stahl geprägt wurden.

Heutzutage stellen die klimatischen Veränderungen, die Anfälligkeit der Ernährungssysteme und Gesundheitskrisen neue Herausforderungen für das menschliche und ökologische Wohlergehen dar. Die Landwirtschaft ist unverzichtbar, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Als notwendige Tätigkeit für das menschliche Überleben kann sie jedoch nicht von den Städten und ihren Verbraucher*innen losgelöst betrachtet werden.

Es ist inspirierend zu sehen, wie Oasen der Lebensmittelproduktion in Städten auf Dächern, auf Freiflächen und in Wohnhäusern entstehen. Sie führen die Menschen wieder näher an die Natur heran und verbinden sie mit ihr. Sie holen die Landwirtschaft an ihren Ursprungsort, die Städte, zurück, um damit auf die Unwägbarkeiten des Klimawandels und der Ernährungsunsicherheit zu reagieren. Außerdem tragen sie zu unserer Gesundheit bei.

Dies wird deutlich, wenn man einen Garten wie den der Gartenwerkstatt in Ehrenfeld betritt und dieses Umfeld riechen und genießen kann. Mit einem agrarökologischen Ansatz wird hier geerntet, es werden soziale Beziehungen gestärkt und wieder eine Verbindung zur Erde und der ökologischen Landwirtschaft in der Stadt hergestellt. Wer die Gartenwerkstatt in Ehrenfeld betritt, betritt ein kleines Paradies in der Stadt. Ein Ökosystem, das aus der solidarischen und kollektiven Arbeit von Frauen und Männer in Köln entstanden ist.

Blumen im Gartenbahnhof Ehrenfeld

Der seit 2015 entstandene Garten besteht aus vier durch pflanzliche Barrieren getrennte Anbauflächen und basiert auf den Prinzipien der Agrarökologie. Mittwochs und samstags trifft man sich hier zum Pflanzen, Ernten, Jäten, Beschneiden und zum Fangen hungriger Insekten, wie Schnecken und natürlich zum Austausch und Genießen.

Birgitt erklärt unsere Anbaupläne

Die Initiative wird durch einige wenige Zuschüsse, die Unterstützung von Partnerorganisationen und die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder getragen. Das jüngste Mitglied ist 2 Jahre und das älteste 75 Jahre alt. Neben dem Anbau von Gemüse, Blumen und Obstbäumen beherbergt die Grünanlage auch diverse Tierarten, wie z. B. quirlige Frösche, scheue Siebenschläfer, Singvögel und bald auch Honigbienen.

Kleines Paradies

Was ist die Motivation, sich für die Erhaltung dieses kleinen Paradieses einzusetzen? Die Liebe für den direkten Kontakt mit der Pflanzenwelt, mit dem Leben und untereinander. Kurz gesagt: Die urbane Landwirtschaft nährt nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Beziehung zur Natur und unser kollektives Wohlbefinden. Sie erinnert uns daran, dass inmitten von Beton und Hektik, die Erde unsere wichtigste Lebens- und Nahrungsquelle bleibt.

Besuch im Garten

Autor*innen: Yeffel Pedreros und Freyre Pedraza (CENCA)

Übersetzung + Einleitung: Clara-Luisa Weichelt (Misereor)

Links:

So ein Mist!

Ja. Pferdemist.

Pferdemist ist ein begehrter und vielseitiger organischer Dünger, der zugleich eine bodenverbessernde Wirkung über eine längere Zeit hat. So enthält Pferdedung verhältnismäßig viele Pflanzenfasern. Auch das Verhältnis an Nährstoffen, die Pflanzen zum Wachsen brauchen, ist ausgewogen. Aber er darf nicht frisch aufs Beet, sondern sollte abgelagert oder kompostiert sein.

Über den Link könnt Ihr mehr erfahren (https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/duengen/duengen-pferdemist-pferdeaepfel-100.html)

Wir nutzen ihn insbesondere für nährstoffhungrige Gemüsearten wie Zucchini, Kürbis oder Tomaten.

Seit einigen Jahren holen wir Ihn von einem kleinen Pferdehof in der Nähe.

Er ist der Beste, welcher in erreichbarer Nähe verfügbar ist.

Getestet, geprüft und bewiesen durch ein Insekt, einen Nashornkäfer.

Hä, … Nashorn, Käfer, …?

Ja, Ihr habt richtig gelesen, Nashornkäfer.

Vor zwei Jahren haben wir beim Mist schaufeln einen großen Engerling (ca. 8 cm) entdeckt. Thomas hat nachgeforscht und es scheint die Larve eines Nashornkäfers zu sein, der ein Zeichen für gute Kompostqualität ist.

Engerling eines Nashornkäfers

Jeder Fund einer Nashornkäfer-Larve im Kompost ist ein untrügliches Indiz für dessen hohe ökologische Wertigkeit. Nashornkäfer-Weibchen sind nämlich sehr wählerisch bei der Auswahl eines Biotops oder Komposthaufens als Kinderstube. Das ökologische Gleichgewicht muss im Lot sein und alle Rahmenbedingungen stimmen, damit werdende Käfermütter diesen Standort als Larvalhabitat überhaupt in Betracht ziehen.

Über den Link könnt Ihr mehr erfahren (https://www.gartenjournal.net/nashornkaefer).

Auf diesem Pferdehof wird der Mist getrennt gesammelt und gelagert. Und wir dürfen den abgelagerten und kompostierten Mist nutzen, welche keinerlei Entwurmungsmittel oder sonstiges enthält. Und wie man sieht, es lohnt sich.

Wie seit einigen Jahren haben wir auch dieses Jahr im März gemeinsam bei bestem Wetter wieder Pferdemist besorgt.

Evelyne hat ihr Auto mit Anhängerkupplung zur Verfügung gestellt. Thomas hat den Anhänger besorgt und ist gefahren. Bei der ersten Tour waren Karin, Hildegard, Evelyne und Katharina S. mit dabei und haben fleißig geschaufelt und Schubkarren vom Misthaufen auf der Pferdekoppel bis zum Auto auf den nahegelegenen Feldweg geschoben. Thomas hat die Schubkarren über die Rampe auf den Anhänger bugsiert und die wertvolle Fracht gleichmäßig dort verteilt.

Nach schweißtreibenden 1,5 – 2 Stunden war der Hänger ausreichend befüllt und wir traten die Rückfahrt zum Vitalisgarten an.

Dort angekommen wurde durch vereinte frische Kräfte der Inhalt des Anhängers auf Schubkarren entladen und der Pferdemist an den vorbereiteten Stellen abgeladen. Wer wollte, konnte sich mit chilli sin carne, welches von Katharina T. gekocht wurde, stärken. Zwei starke Männer, Ingo und spontan, unser Gast, Max, konnten motiviert werden und flugs, ging es auf die zweite Tour. Katharina S. war vor Ort geblieben und hatte sich in der Sonne entspannt und Energie getankt. Zu viert ging es frisch ans Werk und gefühlt nach ca. 50 Schubkarren, wurde der Anhänger für „voll“ erklärt, die mitgebrachten Schaufeln, Spaten sowie Gartengabel und Schubkarren aufgeladen und die Fahrt zu unserem Garten angetreten. Aber nicht ohne uns vorher, herzlich und dankbar, von den Pferdehofbetreibern und den freiwilligen Mitarbeitern zu verabschieden.

Beim Warten auf den Anhänger

Das Entladen des Anhängers war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel. Selbst unsere jüngsten Mitgärtner beteiligten sich mit Freude und Engagement beim Entladen des Pferdemistes.

Alle helfen beim Entladen des Anhängers

So war sogar noch Zeit für eine dritte Tour für Hildegard, Volker und Thomas, um „Knochensteine“ oder besser „Pflasterstein Doppel T-Verbundpflaster grau“ zu besorgen, wie man sie von Gehwegen oder Garageneinfahrten kennt. Volker hatte unzählige Überschüssige davon, welche es „nur“ galt von seinem Grundstück abzuholen. Jetzt wissen wir auch, warum sie Knochensteine heißen. Denn nach dem Verladen in den Hänger und dem Entladen, via Schubkarre bis zum Haus im Mambo, wo sie zum Bau eines erhöhten Fundamentes für zwei IBC-Tanks für die Erweiterung der Regenwasserversorgung genutzt wurden, spürten alle Beteiligten Ihre Knochen.

Somit ging ein erfolgreicher, gemeinschaftlicher Tag im Vitalisgarten zu Ende.

Bis zum nächsten Mal / Jahr.

… so ein Mist

Online-Vortrag über Gartenschläfer am 26.06.2024

Wir haben in unserem Garten Gartenschläfer. Für diese haben wir auch schon unter fachkundiger Anleitung Nistkästen gebaut und konnten eine Expertin für einen Online – Vortrag am 26.06.2024 um 20:00 Uhr gewinnen.

Bei Interesse am Vortrag bitte bei Frau Dr. Thiel-Bender unter christine.thiel-bender@bund.net melden.

„Der Gartenschläfer – der heimliche Bilch mit der Zorro-Maske“

Ein heimlicher Bewohner in unseren Gärten? Hier in Köln gibt es sie noch – die Schlafmäuse mit der Zorro-Maske – in anderen Teilen Europas sind sie schon verschwunden. Lernen Sie die Gartenschläfer von Köln näher kennen und erfahren Sie, wie Sie Ihren Garten so gestalten können, dass unsere vielen heimischen Tierarten auch dort überleben.

Ein Gartenschläfer. Die haben wir auch im Garten. Dieses Foto ist aber ausnahmsweise mal nicht von uns.

Der Gartenschläfer: Obwohl Deutschland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Gartenschläfer hat, existierten kaum aktuelle Daten zur Verbreitung der Tiere. Hier setzte der BUND gemeinsam mit der Senckenberg Gesellschaft und der Justus-Liebig-Universität Gießen in seinem im Projekt “Spurensuche Gartenschläfer” an: Ziel war es, das Ausmaß und die Ursachen des Artrückgangs zu erforschen. Mit Hilfe von standardisierten Untersuchungen und einem Netz an freiwilligen “Spurenlesern” konnte dieses (Citizen-) Science Projekt die Lebensweise der besonderen Schlafmaus genau untersuchen. Aus diesen Ergebnissen wurden anschließend ein bundesweites Schutzkonzept und regional spezifische Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt.

In diesem Vortrag lernen Sie die Lebensweise des kleinen Bilchs mit der Zorro-Maske und die Gefahren, denen er ausgesetzt ist, näher kennen. Was macht den Gartenschläfer so besonders und warum ist er schützenswert? Erfahren Sie bei diesem Vortrag von der Biologin Dr. Christine Thiel-Bender, Artenschutzreferentin beim BUND Landesverband NRW, wie und wo das Wildtier des Jahres 2023 lebt und was wir alle für seinen Fortbestand tun können.

Bei Interesse am Vortrag bitte bei Frau Dr. Thiel-Bender unter christine.thiel-bender@bund.net melden.